Leguminosebegrünung im Weinberg – ein Zwischenbericht


von Claudio Niggli, Hans-Peter Schmidt, Jonathan Tudor

In den vergangenen Jahren wurden am Delinat-Institut die Einflüsse von Begrünungsvarianten auf verschiedene Parameter der Rebkultur wie Bodenwerte oder Blattstickstoff untersucht. Die Auswirkungen einer Dauerbegrünung durch Leguminosen ohne mechanische Bodenbearbeitung standen dabei im Zentrum unseres Interesses.

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Die untersuchten Flächen mit Gründüngung wurden nicht gepflügt, sondern ein Dauerbestand jeweils mehrmals pro Jahr geschnitten bzw. gewalzt und der natürlichen Humifizierung und Mineralisation überlassen. Wir dürfen annehmen, dass in solch permanent mit Leguminosen begrünten Rebkulturen die Versorgung der Kulturen mit Stickstoff meist im 3., spätestens aber im 4.Standjahr auf einem Niveau zu liegen kommt, welches nach den Dünge-Richtlinien ausreichend ist (SPRING et al., 2003). Die Zugabe von Biokohle wirkt sich wahrscheinlich günstig auf die Stickstoffverfügbarkeit aus. Die Versorgung durch andere essentielle Nährstoffe (Kalium, Phosphor) wird durch die Leguminosen-Begrünung erst im 4.Jahr gewährleistet, was sich auch in der Auswertung der Anzahl Gescheine pro Trieb manifestiert hat (Kalium wichtig für Blütenansatz). Es gibt aber Hinweise, dass durch Kompostzusatz dieser Mangel in früheren Stadien kompensiert werden könnte; bereits im 2.Jahr der Begrünung zeigten derart behandelte Reben die gleiche Blühfreudigkeit, wie mineralisch gedüngte Parzellen und einen signifikant höheren Blütenansatz als begrünte Flächen ohne Kompostzusatz. Die biologische Aktivität wird durch Begrünung mit tiefwurzelnden Leguminosen im Oberboden (5-20cm) bereits ab dem 1.Jahr, im Unterboden (20-60 cm) im 1.Jahr (durch Zusatz von Kompost und Biokohle) oder aber ab dem 2.Jahr (ohne Zusatz) erhöht.
Durch die Leguminosebegrünung wird der Humusaufbau des Bodens gefördert und aktiv atmosphärischer Kohlenstoff sequestriert. Die Wasserspeicherfähigkeit sowie die Durchlüftung der Böden erhöht sich.
Eine Begrünung mit ausdauernden Gramineen (aus Spontanaufwuchs) zeigte bei den für den Weinbau wichtigen Parametern negative Auswirkung auf Boden und Reben: Im 3.Jahr ist der Stickstoffgehalt des Bodens tiefer und der Blütenansatz schon deutlich geringer, als in den anderen Bodenpflegeformen.

Blüte einer Luzerne

Blüte einer Luzerne im Rebberg

Insgesamt 11 Arten tagaktiver Falter, welche im Gebiet der Versuchsflächen festgestellt werden konnten, haben eine oder mehrere Pflanzenarten der verwendeten Leguminosen-Begrünung als potentielle Futterpflanzen. Eine reine Leguminosen-Mischung mit Luzerne und Esparsette sowie Klee-Arten unterdrückt Unkräuter, aber auch unproblematische Begleitpflanzen effizient. Infolge der natürlichen Auslichtung der Leguminosenbestände in späteren Jahren wird besonders für die nährstoffliebende Fraktion der Spontanflora mehr Raum geschaffen.

Die Datenlage zu den meisten Parametern ist noch bescheiden, und nur im Falle der Blühfreudigkeit der Reben und der Blatt-N-Messungen 2009 gross genug für eine statistisch zuverlässige Auswertung. Trotzdem lassen diese Pilotversuche bereits wichtige Trends erkennen, welche auch als Grundlage für zukünftige Fragestellungen und umfassendere Untersuchungen dienen.

1. Einleitung
In den Rebbergen des Delinat-Instituts werden seit vier Jahren Begrünungsversuche mit Saatmischungen, aber auch Spontanflora durchgeführt. Bei den Einsaaten gilt stickstofffixierenden, krautigen Fabaceen (oder auch Leguminosen) besonderes Augenmerk, da sie als effiziente Gründüngung gerade im biologischen Landbau die fehlende Mineraldüngung zumindest teilweise kompensieren können. Bis jetzt sind auf Luzerne (Medicago sativa) basierende Mischungen im Weinbau in Mitteleuropa kaum zum Einsatz gekommen. Eine Begrünung mit Leguminosen macht im konventionellen oder IP-Anbau hinsichtlich der N-Bilanz nur Sinn, wenn auf eine mineralische Düngung verzichtet wird, da diese die Stickstofffixierung durch Knöllchenbakterien hemmt oder ganz unterbindet (PERRET 1982).
In Kombination mit anderen Blütenpflanzen kann eine für die Insekten-Vielfalt besonders wertvolle Leguminosen-Begrünung geschaffen werden. Luzerne und andere Pfahlwurzler eignen sich als Bodenverbesserer und ermöglichen eine effiziente Tiefenlockerung. Eine vielseitige Gemeinschaft von Mikroorganismen wird durch Symbiosen (Rhizobien, Mykorrhiza), durch die strukturelle Aufwertung sowie den Eintrag organischer Materie gefördert. Neben der Mineralisierung der organischen Substanz beteiligen sich diese Mikroorganismen an den Syntheseprozessen. Durch Aufbau der körpereigenen Substanz fungieren sie zeitweise als Zwischenspeicher. Durch Synthese von Huminstoffen und bodenbindenden Substanzen stabilisieren sie das Bodengefüge zusätzlich (SCHINNER 1993).

Die Druckausgabe des vollständigen Artikels mit sämtlichen Messdaten, Auswertungen und Interpretationen finden Sie hier >>>> weiterlesen

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